Der Cocooning Effekt und seine Folgen
Unterhaltungselektronik boomt trotz der Krise. Fernseher, DVD-Player und Unterhaltungsgeräte werden weiterhin fast ohne Umsatzeinbrüche verkauft. Selbst die Wirtschaft hat den “Cocooning-Effekt”, den Rückzug der Menschen ins Private, in den eigenen Kokon, der sich mit der Wirtschaftskrise sogar noch verstärkt hat, schon bemerkt – und zunutze gemacht. Seit langem schon aber gelten Fernsehen und Videospiele als Kommunikationskiller, in den letzten Jahren kamen dann noch Internet und Online-Spiele sowie vollkommen neue Geräte wie die Xbox dazu. Soziale Aktivitäten und Kontakte gehen hingegen im gleichen Maß zurück und werden immer oberflächlicher. “Cocooning” ist die Folge. Psychologen und Sozialforscher halten diese Entwicklung für höchst bedenklich. Immer mehr Menschen sind kaum mehr in der Lage, überhaupt wirklich zu kommunizieren – und auch kaum bereit dazu. Konflikte eskalieren, weil es an den kommunikativen Fähigkeiten fehlt, die nötig wären, um sie zu lösen. Besonders hart trifft es die Kinder: sie sind in ihrer Entwicklung in hohem Maße auf soziale Interaktionen angewiesen, um sich in der Gesellschaft orientieren zu können, und ihre Persönlichkeit zu formen. Fernsehen allein genügt da nicht. Und in den boomenden Onlinespielen tritt eine allmächtige Fantasiegestalt in einer virtuellen Welt immer wieder an die Stelle des eigenen Ich. Bis man nicht mehr so richtig weiß, wer und wie man eigentlich selber ist. Die rasante Zunahme von Persönlichkeitsstörungen und sozialer Unfähigkeit spricht, speziell bei Kindern und Jugendlichen, eine deutliche Sprache. Bei vielen von ihnen zeigen sich daneben auch deutliche Zeichen sozialer Vernachlässigung. Die Hoffnung, dass die Krise auch wieder zu mehr Menschlichkeit und sozialem Austausch führen könnte, hat sich also ganz offensichtlich nicht erfüllt.